„Der Betrieb wird trotz Steuerschulden von mehreren hunderttausend Euro weiter als illegaler Bordellbetrieb aufrechterhalten“, heißt es in dem Schreiben, das nicht nur an Landeshauptmann Josef Pühringer geschickt wurde. Es richtet sich auch an den Gemeinderat, der dem Treiben tatenlos zusehen würde, sowie an Polizei, Finanz und Medien. Was der Verfasser von sich gibt, liest sich wie ein schlechter Krimi: „Der momentane Betreiber plant den Verkauf seiner Liegenschaft und die Steuerflucht in die Dominikanische Republik.“
Diese Umstände seien Stadtgespräch. Der Briefschreiber aus St. Florian wolle aus Sicherheitsgründen anonym bleiben und fordert ein Einschreiten. Schließlich sei es nicht tragbar, dass ein Betreiber eines illegalen Bordells mit Steuerschulden in sechsstelliger Höhe einen BMW X5 fahre und seinen „Zweitwohnsitz“ am Golfplatz habe.
„Das sind massive Anschuldigungen“, kontert der Schärdinger Rechtsanwalt Karl Wagner. „Um bei den Fakten zu bleiben. Weder mein Mandant noch seine Frau betreiben seit Beginn des Insolvenzverfahrens das BB-Exklusiv. Das Verfahren ist beinahe abgeschlossen, es läuft für uns ganz gut. Nicht zuletzt, weil mein Mandant vorbildlich mit der Finanz und dem Gericht kooperiert. Er hilft, dass alles ordnungsgemäß aufgeklärt und abgehandelt werden kann. Das Haus stehe zum Verkauf, weil mit dem Erlös Steuerschulden getilgt werden sollen. Von einem Fluchtgedanken kann keine Rede sein. Was dem Mann für die Existenz bleiben wird, ist schlichtweg seine eigene Kraft, die er bitteschön dort einsetzen dürfen soll, wo er will.“
St. Florians Bürgermeister Bernhard Brait schüttelt ungläubig den Kopf: „Die Welt ist ein Narrenhaus.“ Er will sich Tatenlosigkeit nicht unterstellen lassen, „schon gar nicht von einem anonymen Briefschreiber.“ Noch dazu sei erst vor wenigen Wochen ein Schreiben des Verfassungsgerichtshofs ins Gemeindeamt geflattert, das das von der Gemeinde erteilte Prostitutionsverbot bestätige. „Exekutieren können wir das nicht, das ist Sache der Behörde“, so St. Florians Ortschef.