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Dienstag, 26.04.2011:

Cabaretbetreiber kämpfen für Erhalt des Tänzerinnenstatuts

Die Hälfte der Kantone erteilt keine L-Bewilligungen für Tänzerinnen aus Nicht-EU-Staaten mehr. Die Cabaretbesitzer gehen in die Offensive – mit Unterstützung von unerwarteter Seite.


Jürg König, Präsident des Cabaret-Branchenverbandes Asco, will jeden Anschein von Panik vermeiden. Doch dies wird seine Branchenkollegen nicht beruhigen. Ein Kanton nach dem anderen schafft die L-Bewilligungen für Tänzerinnen aus Drittstaaten ab. Zuletzt als Kantone Nummer elf und zwölf Freiburg und Tessin. Das ärgert die Cabaretbetreiber. Denn Frauen aus Nicht-EU-Staaten wie Thailand, Brasilien oder der Dominikanischen Republik sind für sie ideal, weil die L-Bewilligung diesen Frauen nur erlaubt, in Cabarets zu arbeiten. Sexarbeiterinnen aus EU-Staaten wie Rumänien oder Bulgarien hingegen sind auf die bindenden Arbeitsverträge der Cabaretbesitzer nicht angewiesen und verdienen in Kontaktbars oder Massagesalons mehr.

Nun überprüft neben dem Bündner Amt für Polizei auch das Bundesamt für Migration (BFM) das Tänzerinnenstatut, wie Sprecher Michael Glauser bestätigt. Sollte das BFM eine Abschaffung des Tänzerinnenstatuts auf Bundesebene beschliessen, wäre das für den allergrössten Teil der noch übrig gebliebenen Cabarets der wirtschaftliche Ruin.Darum gehen König und seine Kollegen jetzt in die Gegenoffensive. Nach mehreren kritischen Berichten in «10 vor 10», «Schweiz aktuell» und verschiedenen Printmedien hat König den Verbandsmitgliedern einen Brief geschickt, in dem er zur Zurückhaltung gegenüber Medien aufruft und darlegt, wie man die L-Bewilligungen zu erhalten gedenkt. «Wir sind uns bewusst, dass es nun um die Wurst geht. Deshalb verstärken wir unsere juristische, vor allem aber unsere Lobbying- und PR-Arbeit durch das Hinzuziehen von externen Spezialisten und das selektive Kontaktieren von Politikern», schreibt König.

Kontrollverlust befürchtet

In ihrem Kampf für das Tänzerinnenstatut erhalten die Cabarets Unterstützung von Frauenschutzorganisationen. Zuletzt setzte sich im Tessin die Beratungsstelle Antenna Mayday für den Erhalt des Tänzerinnenstatuts ein und unterstützte einen Rekurs gegen die Abschaffung. «Seit der Abschaffung der L-Bewilligungen für Drittstaatenfrauen haben wir keinen Kontakt mehr zu den Tänzerinnen in den Cabarets», sagt Mayday-Geschäftsführerin Monica Marcionetti.

Anders bei Tänzerinnen aus Nicht-EU-Staaten: Sie mussten sich bei den Behörden melden, die ihre Arbeitsverträge und Arbeitsbedingungen kontrollierten sowie den Kontakt zu Organisationen wie Mayday oder der Aids-Hilfe organisierten. «Für die EU-Frauen gilt das nicht, wir haben keine Ahnung, unter welchen Bedingungen und mit welchen Arbeitsverträgen sie arbeiten und ob das Prostitutions- und das Animierverbot eingehalten werden», sagt Marcionetti.Sie macht zwar kein Geheimnis daraus, dass die Zustände in den Tessiner Cabarets teils prekär waren. Aber: «Wir wissen nicht, ob die EU-Frauen in den Cabarets wegen der fehlenden behördlichen Kontrolle nun zu schlechteren Bedingungen arbeiten müssen. Es ist leider zu erwarten.»

In Graubünden, wo derzeit eine Vernehmlassung zur Abschaffung des Tänzerinnenstatuts im Gange ist, hat sich die Aids-Hilfe/Aids-Prävention im Sexgewerbe (Apis) für den Erhalt des Tänzerinnenstatuts ausgesprochen. Aus einer ähnlichen Motivation heraus, wie Mayday im Tessin. In ihrer Vernehmlassungseingabe schreibt Apis: «Wie Erfahrungen in Kantonen, welche die Tänzerinnenkontingente abgeschafft haben, zeigen, bieten Frauen aus Drittstaaten prostitutive Dienstleistungen in illegalen Nischen an. Dies fördert die Prekarisierung von Lebens- und Arbeitsbedingungen.»

«Immer wieder stossende Fälle»

In der nationalen Vernehmlassung des BFM würde sich wohl der Dachverband der Organisationen zum Schutz der Sexarbeiter Prokore für den Erhalt des Tänzerinnenstatuts einsetzen, wie Jacqueline Suter von Xenia, der Berner Beratungsstelle für Prostituierte, sagt. «In Bern haben wir bereits 2006 für den Erhalt des Statuts gekämpft – mit Erfolg», sagt Suter. Auch wenn es unter den Cabaretbetreibern schwarze Schafe gebe, so seien die Arbeitsbedingungen doch kontrollierbar und die niedrig erscheinenden Nettolöhne von rund 2000 Franken anständig. Denn: «Da sind Krankenkasse, Steuer und Logis abgezogen. Ich wüsste nicht, wie viele Migros-Kassiererinnen nach Abzug der Fixkosten noch 2000 Franken übrig haben», so Suter.

Trotz Unterstützung der Frauenorganisationen ist der Ausgang der Cabaretbesitzer-Offensive ungewiss. Das BFM und die Bündner Behörden prüfen, ob das Tänzerinnenstatut, das die Frauen vor Ausbeutung schützen soll, diesen Zweck gemäss dem Ausländergesetz erfüllt. Aus dem BFM ertönt deutliche Skepsis: «Es ist zu erwähnen, dass immer wieder stossende Fälle angetroffen werden (Lohn nicht korrekt bezahlt, Prostitution und Animation, obwohl beides gemäss Mustervertrag untersagt ist)», hält Sprecher Glauser fest.

zu finden unter : http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Cabaretbetreiber-kaempfen-fuer-Erhalt-des-Taenzerinnenstatuts-/story/14431898 da gibt es auch noch eine Menge Kommentare dazu.



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