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Donnerstag, 01.07.2010:

Der-Fall-Goldfinger-Menschenhandel-auf-dem-Zrcher-Strassenstrich

Am Donnerstag, 1. Juli 2010, 20.05 Uhr, SF 1: Sie geben vor, Prostituierte zu sein, doch viele sind Leibeigene: «Die Zuhälter befehlen uns, 1000 Franken pro Nacht zu verdienen. Sie zwingen uns zu Sex ohne Gummi. Sie nehmen unseren Lohn weg und schlagen zu, wenn wir uns wehren»: Ungarinnen von der Ethnie der Roma. Seit vier Jahren schaffen sie am Sihlquai in Zürich an. Ein Film über die Schattenseite der Personenfreizügigkeit.
Die Täter: Goldfinger und Co.  
Alles begann mit einem grobschlächtigen Mann namens Johnny. Er stammt aus einem Dorf im Osten Ungarns, von wo er ihm bekannte Frauen in die Schweiz gebracht hat. Den einen gaukelte er vor, in sie verliebt zu sein, den andern drohte er von Anfang an mit Gewalt.

Die Polizei ermittelt unter dem Decknamen Goldfinger. Johnnys Verhaftung hat die Zuhälter aus Ungarn nicht abgeschreckt, im Gegenteil: Immer mehr strömen in die Schweiz.

Längst nicht mehr nur ans Sihlquai in Zürich, sondern auch nach Bern, nach Olten und nach Genf.

Die Opfer und ihre Angehörigen
Monika lebt in einem Hotel im Zürcher Milieu mit ihrem Freund und mutmasslichen Zuhälter. Sie ist eine von 300 ungarischen Prostituierten, die letztes Jahr neu nach Zürich gekommen sind.

Jede fünfte ist den Behörden als Opfer von Menschenhandel bekannt. Die Dunkelziffer aber ist gross. Auf die Frage nach ihrem Zuhälter sagt Monika dasselbe wie alle Prostituierten auf der Strasse: Sie schaffe selbstständig an.

Ihre Mutter in Ungarn widerspricht: Monikas Freund schlage sie, wenn sie ihm den Lohn nicht abgebe: «Einmal musste sogar ihre Mundpartie genäht werden, und sie hatte schwere Knochenbrüche.»

Die Ermittlungen 
Die Zürcher Stadtpolizei ermittelt seit drei Jahren. 42 mutmassliche Menschenhändler sind ihr bekannt, verhaften konnte sie aber erst 13.

Die Ermittlungen sind aufwändig und dauern monatelang, weil die Polizei das Vertrauen der Opfer gewinnen muss. «Im
Drogenhandel reicht ein Kilo Heroin als Beweis, unser Beweismittel ist die Aussage des Opfers
», sagt ein Ermittler.

Die traumatisierten Frauen stehen unter massivem Druck, oft ziehen sie ihre Aussagen wieder zurück oder tauchen unter. 

Die Zukunft der Opfer 
Anna ist eine von 39 Ungarinnen, die ihre Zuhälter angezeigt haben. Sie wird von der Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration FIZ betreut, der nationalen Beratungsstelle für Opfer von Menschenhandel.

Annas Zukunft ist unklar: Sie darf nur solange in der Schweiz bleiben, als sie für die Strafuntersuchung gebraucht wird. Zwar kann ein Härtefall geltend gemacht werden, bisher aber haben die kantonalen Migrationsämter nur eine Handvoll Gesuche pro Jahr bewilligt.

FIZ-Pressesprecherin Doro Winkler verlangt ein Aufenthaltsrecht für alle Menschenhandelsopfer aus Ungarn: «Diese Frauen werden
massiv bedroht. Es wäre nicht zu verantworten, wenn sie nach Hause geschickt würden.
»



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