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Montag, 19.07.2010:

Der Strassenstrich in der Box

Holland hat sie erfunden und in mehreren deutschen Städten gilt sie als Erfolgsmodell: Auch in Zürich könnte die Sexbox den Strassenstrich erträglicher machen.

Der Zürcher Strichplan ist ein Papiertiger. Eigentlich wäre darin festgehalten, an welchen Strassen Prostitution legal ist. In der Realität hält sich das horizontale Gewerbe aber kaum daran. Auch ausserhalb der erlaubten Zone bieten Prostituierte ihre Dienste an, und in Wipkingen wird käuflicher Sex neuerdings gar unter freiem Himmel praktiziert. Die Stadt ist deshalb daran, die Massnahmen zur Bekämpfung der Strassenprostitution zu überdenken. Unter dem Titel «Projekt Rotlicht» erarbeiten Fachleute derzeit Vorschläge an die Adresse des Stadtrats.

Zur Lösung des Problems könnten die Sexboxen beitragen. Die in der holländischen Gemeinde Utrecht erstmals eingesetzte Einrichtung half, den unbeliebten aber erlaubten Strassenstrich in eine kontrollierbare und etwas abgeschirmte Zone zu verlagern. Dabei handelt es sich um eine Art Parkplatz, dessen Felder wie Pferdeboxen angeordnet sind. Ende der achtziger Jahre verbreitete sich die Sexbox in Holland, später auch in Deutschland. Nicht überall verhalf sie zur kontrollierten Verlagerung des Strassenstrichs. Aber wo es funktionierte, spricht man von einer Erfolgsgeschichte.

Schutz für Prostituierte und Anwohner

So auch in Essen. Nach intensiver Diskussion im Vorfeld, erstellte die Stadt im Ruhrgebiet vor eineinhalb Jahren die «Verrichtungsboxen», wie sie in Deutschland genannt werden. «Es läuft zur Zufriedenheit aller», bestätigt Thomas Römer vom Essener Sozialdezernat. Wie in Zürich vergrösserte sich der Strassenstrich in Essen zum Unmut der Anwohner immer mehr. In einer Umbauphase im Quartier wurde die betroffene Abschnitt zur Einbahnstrasse umfunktioniert. Dies führte dazu, dass sich die Prostituierten auch ausserhalb der gewohnten Zone aufhielten.

Die zwölf «Verrichtungsboxen» (davon zwei für Fussgänger) brachten die Verlagerung der Prostitution in eine zentrumsnahe und überschaubare Zone. Zum Schutz der Prostituierten entstand zudem vor den Boxen ein Platz, wo durch die erhöhte Präsenz anderer Prostiutierten eine soziale Kontrolle stattfindet. «Die Verrichtung breitet sich nicht in dunkle, unkontrollierbare Vereiche aus, was zum Schutz der Prostituierten und der Anwohner dient», berichtet Römer.

Kaum Nachteile bekannt

Die Boxen selber sind mit diversen Sicherheitsvorkehrungen ausgestattet. So kann dank einer Vorrichtung der Fahrer des Autos die Tür nicht mehr öffnen. Die Prostituierte auf dem Beifahrersitz hingegen schon. Ausserdem kann sie bei brenzligen Situationen einen Notfallknopf an der Boxwand drücken. «Das kommt zwar selten vor, aber es gibt immer wieder Freier, die sich daneben benehmen», erklärt Römer. Zum Schutz der Anwohner wurde überdies der Rest des Quartiers zu einer Sperrzone ernannt, wo Prostitution verboten bleibt.

Nachteile gibt es laut Römer kaum. Man habe sich vor der Erstellung der Boxen negative Erfahrungen aus anderen Städten zu Herzen genommen. Dazu gehören Probleme mit Abfall oder der Hygiene. Rolf Vieli, Leiter des Stadtzürcher Projekts Rotlicht, sieht dennoch negative Aspekte: Nach anfänglichen Erfolgen könne die Situation für Prostituierte und Anwohner nach einiger Zeit ins Schlimme kippen, glaubt der Szenekenner, der bereits einen Augenschein in Amsterdam genommen hat

Die Stadt Bern diskutierte vor sieben Jahren die Einführung von Sexboxen. Doch der Stadtrat musste das Projekt schliesslich begraben, weil sich die Quartierbevölkerung heftig zur Wehr setzte. Das Beispiel zeigt, dass der Ort eine fundamentale Rolle spielt. Darum bleibt Vieli vorsichtig: «Über die Infrastruktur in der Strichzone kann erst entschieden werden , wenn die Örtlichkeiten dafür bekannt sind.» Bis dahin will man sich nocht nicht festsetzen.



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