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Sonntag, 27.06.2010:
Organisierte Kriminalität in der Schweiz
Die Zahl der Sexarbeiterinnen aus Osteuropa steigt in der Schweiz kontinuierlich an, wie das fedpol. Waren diese Frauen anfänglich vor allem auf dem Zürcher Strassenstrich anzutreffen, sind sie inzwischen fast auf die ganze Schweiz verteilt.
| «Mittlerweile ist davon auszugehen, dass eine Vielzahl der Kantone von der Ausbreitung des Menschenhandels aus Osteuropa stark betroffen ist.» Jahresbericht des Bundesamtes für Polizei (fedpol) |
Stark angestiegen ist letztes Jahr der Handel mit Frauen aus Ungarn. Diese Entwicklung wird offenbar anhalten. Zunehmen wird wahrscheinlich auch der Menschenhandel aus Rumänien und Bulgarien, wie es schon im benachbarten Ausland beobachtet wird.
Menschenhandel auch zur Ausbeutung der Arbeitskraft
Menschenhandel und –schmuggel hatte bisher vor allem die sexuelle Ausbeutung der Opfer zum Zweck. Hier könnte es eine Verlagerung geben. Menschenhandel mit dem Ziel der Ausbeutung der Arbeitskraft werde zunehmend wichtiger, stellt fedpol fest.
Kriminelle Organisationen aus verschiedenen Regionen
Attraktiv geblieben ist die Schweiz auch für kriminelle Organisationen. Die für die Schweiz bedeutendsten Gruppierungen der Organisierten Kriminalität stammen aus der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) und Georgien, aus Südosteuropa, Westafrika und Italien. Ein Teil dieser Gruppierungen ist vor allem im Bereich des Drogenhandels, von Einbrüchen und Raubdelikten aktiv. Andere Gruppen vorab aus den GUS-Staaten und Italien benutzen die Schweiz vor allem für logistische Zwecke, Geldwäscherei oder als Rückzugsgebiet.
Diskretes Wirken
Kriminelle Gruppierungen aus GUS-Staaten bilden nicht immer hierarchische Organisationen. Es können auch Netzwerke von kriminellen Geschäftsleuten sein mit guten Kontakten zur Politik und zu behördlichen Schaltstellen in ihrer Heimat. Sie nutzen laut fedpol legale Firmen, Scheinfirmen oder Finanzinstitute für kriminelle Zwecke.
| «Oft treten sie als gewandte, honorable Geschäftsleute auf und unterstützen wohltätige oder kulturelle Organisationen, um sich öffentlichen Respekt zu verschaffen.» Jahresbericht des Bundesamtes für Polizei (fedpol) |
Rohstoffhandelsplatz in Gefahr?
Auch in Zeiten der Finanzkrise verfügen diese Gruppierungen aus der GUS immer noch über viel Geld. Sie haben deshalb ein sehr hohes Destabilisierungspotenzial und können den freien Wettbewerb und die Unabhängigkeit von rechtsstaatlichen Institutionen gefährden.
Laut fedpol kann auch das Image des Schweizer Rohstoffhandelsplatzes Schaden nehmen. Die Schweiz hat letztes Jahr eine internationale Initiative unterzeichnet mit dem Ziel, im Rohstoffhandel tätige Akteure zu einem transparenten Geschäftsverhalten zu motivieren. «Es kann daher nicht im Interesse der Schweiz sein, Firmen zuzulassen, die ihre Eigentümerstruktur mit einer Kette von Offshore-Konstrukten vernebeln wollen», hält das fedpol fest.
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