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Sonntag, 27.06.2010:
Puff mitten im Dorf sorgt für Unmut
Prostitution im Dorf – dies geht einigen Meinisbergern zu weit. Die Behörde übt sich in Toleranz, wenn auch zähneknirschend.
Der «Chutzen» bildet in Meinisberg so etwas wie die Dorfmitte. Im Gebäudekomplex mit Pizzeria, Solarium, Poststelle, vier Wohnungen und einer Bar im Untergeschoss ist der Betrieb einer Kontaktbar mit sieben Zimmern geplant. Das bestätigt der Meinisberger Gemeindepräsident Rudolf Steiner. Es sei klar, dass es sich dabei um einen Betrieb mit Prostitution handelt. Steiner ist darüber zwar nicht erfreut, muss es aber akzeptieren, solange alles im gesetzlichen Rahmen verläuft.
Sex im «Chutzen» nicht neu
Einem Meinisberger Ehepaar geht «ein Bordell im Zentrum und gegenüber der Schule» besonders gegen den Strich. Es hat seiner Empörung mittels Flugblatt Luft gemacht. Andere Meinisberger nehmens gelassen, obwohl alle ihre Meinung nur anonym äussern wollten. Eine Mutter sagt: «Klar, ist es nicht das, was man sich im Dorf wünscht». Aber um ihre Kinder mache sie sich deswegen keine Sorgen.
Mitte Mai habe sich ein Interessent an die Gemeinde gewandt und die Pläne erläutert, so Gemeindepräsident Steiner. «Seither warten wir auf ein entsprechendes Gesuch.» Gemäss den Beobachtungen von Anwohnern wird zwar im Gebäude schon fleissig gesägt und gehämmert. Doch von einem Eröffnungstermin ist noch nichts bekannt. Während die Gemeinde für bewilligungspflichtige bauliche Veränderungen zuständig ist, erteilt Regierungsstatthalter Werner Könitzer die Bewilligung für den Betrieb der Kontaktbar. Auch für ihn ist Sexgewerbe im «Chutzen» nichts Neues, wie er sagt. Was als «Kontaktbar» umschrieben werde, so Könitzer, «braucht eine Bewilligung für ein Hotel mit Gastgewerbe».
Glanzvolle Zeit vorbei
Prostitution ist in der Schweiz legal, sofern die Frauen über Arbeits- und Aufenthaltsbewilligungen verfügen. Könitzer stellt fest, dass sich das Sexgewerbe sukzessive in ländlichen Gebieten ausbreitet und nicht mehr auf die Stadtgebiete beschränkt. Als Beispiele im Seeland nennt er Lengnau und Bargen.
Der «Chutzen» hat seine besten Zeiten schon lange hinter sich. Eine Nostalgikerin erinnert sich an das ehemalige Restaurant mit dem gleichnamigen Dancing. «Früher waren der Chutzen und die Veranstaltungen im Saal noch ein Begriff», sagt sie. Das war bis etwa Mitte der 80er-Jahre so.
Seither wechselten die Besitzer mehrmals; die Bar im Erdgeschoss war mal Cabaret, mal Nightclub. Die letzte Bar im «Chutzen» hiess «Bar-o-Meter» und ist seit einigen Monaten geschlossen.
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