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Mittwoch, 21.07.2010:
Puff um Bordellwerbung
In Baselbieter Gemeinden hängen Werbeplakate für ein Basler Bordell. Was in der Stadt für Empörung gesorgt hat, stört die Gemeinden nicht. Doch bei Kantonsparlamentarierinnen sorgt die Werbung für rote Köpfe.
Eine blonde Schönheit räkelt sich auf einem Plakat, das an der Binningerstrasse in Bottmingen hängt. Das halb transparente Höschen verdeckt dabei nur gerade das Nötigste. Auf den ersten Blick könnte man meinen, man habe es hier mit einer etwas freizügigeren Unterwäschewerbung zu tun. Allerdings machen Slogans wie «Wöchentlich 4 neue exklusive Girls anwesend» und «sehr diskreter Eingang» doch etwas stutzig. Ein Klick auf die auf dem Plakat genannte Webseite räumt schliesslich mit allen Missverständnissen auf: Es handelt sich um die Werbung eines Basler Bordells.
Ebendieses Plakat hatte in Basel vor ein paar Wochen für einige Aufregung gesorgt. Aber in Bottmingen nimmt man die Rotlichtwerbung gelassener hin: «Wir werden gegen das Plakat nichts unternehmen», sagt Gemeindeverwalter Willi Schweighauser. Er sieht an dem Plakat weder etwas Sexistisches noch etwas Anstössiges oder Unsittliches. Ganz anders als in Basel: Dort hat die Regierung vergangenen Mai nach einem Vorstoss von DSP-Grossrat Felix Eymann das Plakat aus dem Verkehr ziehen lassen. In ihrer Antwort hielt die Regierung fest, dass laut Plakatverordnung Darstellungen von Unterwerfung oder Ausbeutung oder eine «unangemessene Darstellung von Sexualität» diskriminierend seien.
Wo liegt der Unterschied zu einer Unterwäschewerbung?
Bottmingens Gemeindeverwalter Willi Schweighauser kann die restriktive Basler Haltung nicht ganz nachvollziehen. Er sieht keinen grossen Unterschied zwischen der Bordellwerbung und den Unterwäschereklamen mancher Firmen. Und damit steht er nicht alleine da. Auch in Oberwil, wo das Plakat gleich an zwei Stellen hängt, bleibt man gelassen: «Solange wir keine Reklamationen erhalten, sehen wir auch keinen Handlungsbedarf», heisst es bei der Gemeindeverwaltung.
Eine Frau ist von dieser freizügigen Politik allerdings «sehr enttäuscht»: EVP-Landrätin Elisabeth Augstburger. Sie hatte sich schon letzten Herbst gegen die Basler Sexmesse Extasia und deren Plakate starkgemacht. Jetzt will sie auch gegen die Bordellwerbungen vorgehen. «Dass man es überhaupt nicht tragisch findet, wenn mit dem Verkauf von Sex geworben wird, befremdet mich.» Die EVP plant deshalb einen Vorstoss im Landrat, in dem sie klarere Regeln fordert – ein entsprechender Entwurf existiert laut Augstburger bereits. Darin wird gefordert, dass sich der Kanton stärker einmischen soll, womit geworben werden darf und womit nicht – anstatt diese Kompetenz auf die Gemeinden abzuschieben. «Es müssen klare Grenzen gesetzt werden», sagt Augstburger.
Mit dieser restriktiven Haltung steht die EVP nicht alleine da. Von Fraktionskollegin und CVP-Baselland-Präsidentin Sabrina Mohn erhält sie Rückendeckung. «Ich werde den Vorstoss unterstützen.» Sorgen macht ihr nicht das Plakat an sich, das sie als durchaus «ästhetisch» bezeichnet. Die Internetadresse verlocke jedoch gerade Kinder und Jugendliche dazu, dort reinzuschauen.
«Im Keim ersticken»
Zwar warnen die Homepage-Betreiber auf der Eingangsseite, dass die Inhalte nur von volljährigen Personen konsumiert werden sollten – allerdings weckt laut Mohn, selber Lehrerin, eine solche Warnung bloss das Interesse von Jugendlichen. Auf der Webseite findet man denn neben den Öffnungszeiten des Etablissements etwa die Preise für die verschiedenen Serviceleistungen. «Man muss solche Werbung im Keim ersticken, bevor sie zu einem grösseren Problem wird», sagt Mohn.
In Basel ist man derweil schon einen Schritt weiter. Ein Vorstoss von SP-Grossrätin Ursula Metzger ist bereits eingereicht. Der Anzug, der überdies von Politikern aus fast allen Lagern unterschrieben wurde, fordert ein generelles Verbot von Werbung sexueller Dienstleistungen auf öffentlichem Grund. Und damit dürften dann vermutlich auch Verwechslungen mit Unterwäscheplakaten ausgeschlossen werden.
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