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Montag, 16.01.2012:
Roma-Zuhälterpaar knöpfte 19-Jähriger 70'000 Franken ab
Das Bezirksgericht hat ein ungarisches Zuhälterpaar wegen Förderung der Prostitution verurteilt.
In der Regel sind es Männer aus Ungarn, die sich vor Zürcher Gerichten als Zuhälter verantworten müssen. Gestern war es ein Zuhälterpaar, das wegen Förderung der Prostitution auf der Anklagebank sass. Die beiden 29-jährigen Roma erhielten eine 36-monatige Freiheitsstrafe; die Hälfte davon bedingt. Das Gericht folgte den Anträgen von Staatsanwältin Priska Landolt. Diese warf den beiden vor, ab Anfang 2010 eine damals 19-jährige Landsfrau während eines halben Jahres auf dem Langstrassen-Strich finanziell ausgebeutet zu haben. Beide waren geständig.
Das Paar war im Zuge der Aktion «Pluto» gegen ungarische Zuhälter im Rotlichtmilieu von der Polizei Mitte 2010 verhaftet worden. Dabei arbeiteten die Zürcher Strafverfolger eng mit dem ungarischen Staat zusammen. Laut Landolt werden in absehbarer Zeit drei weitere Roma-Zuhälter angeklagt. Es handelt sich dabei um grössere Fische als die beiden gestern Verurteilten.
Frau hatte 7-Tage-Woche
Der Beschuldigte hatte die junge Frau in Ungarn kennen gelernt und versprach ihr die grosse Liebe; die typische «Loverboy-Masche» der Roma-Zuhälter. Dass er bereits eine Freundin hatte, verschwieg er ihr. Der Mann und das spätere Opfer reisten nach Zürich, wo die 29-jährige Freundin des Beschuldigten schon im Langstrassen-Quartier anschaffte. Diese führte in der Folge die junge Frau ins «Business» ein. Dabei wurde sie vom Zuhälterpaar engmaschig kontrolliert und durfte keinen Kontakt mit Landsleuten haben.
Das Paar knüpfte der Frau mehr oder weniger den ganzen Freierlohn ab. Laut Anklageschrift lieferte die 19-jährige Frau von Ende Januar bis Anfang Juni 2010 knapp 70'000 Franken an das Zuhälterpaar ab. Sie arbeitete an 7 Tagen die Woche, jeweils 12 Stunden täglich. Der durchschnittliche Tagesverdienst der offenbar attraktiven Frau – sie erschien nicht vor Gericht – betrug im Durchschnitt 570 Franken. «Die junge Frau war in den Mann verliebt und glaubte an die gemeinsame Zukunft», sagte die Staatsanwältin.
Der Zuhälter hatte parallel zum Opfer auch mit seiner 29-jährigen Freundin sexuellen Kontakt. Das Paar hat eine gemeinsame Tochter in Ungarn, der Mann zudem noch drei Söhne von seiner Ex-Frau. Arbeiten kann er gemäss einem ungarischen Arztgutachten nicht. Er leide offenbar unter einer geheimnisvollen Krankheit und bekomme beim Arbeiten rote Augen, einen schäumenden Mund und drehe durch, sagte die Staatsanwältin maliziös. Die Zuhälterin beutete neben der 19-Jährigen noch eine weitere Landsfrau aus. Unter anderem soll sie diese Frau, als sie schwanger geworden war, zur Abtreibung in Ungarn gedrängt haben, damit sie bald wieder arbeiten könne.
Frau will Neustart in Ungarn
Der Verteidiger des Zuhälters relativierte die Vorwürfe der Anklage. Sein Mandant habe, verglichen mit anderen Roma-Zuhältern, die Frau verhältnismässig gut behandelt. Sie sei nicht so engmaschig kontrolliert worden, wie dies die Staatsanwältin behauptete. Das Opfer habe schon in Ungarn als Prostituierte gearbeitet. Auch nach der Verhaftung des Paars ging es in Zürich diesem Geschäft weiter nach. Die Dreiecksbeziehung sei für alle die einzige Möglichkeit gewesen, Geld zu verdienen. Alle drei hätten davon profitiert. Der Anwalt verlangte eine Freiheitsstrafe von 14 Monaten bedingt. Der Verteidiger der Freundin stellte keinen Antrag, weil die Beschuldigte dem Strafantrag der Staatsanwältin zugestimmt hatte. Der Prozess konnte deshalb im abgekürzten Verfahren erledigt werden.
Mit der Strafe von 36 Monaten, wovon er die Hälfte absitzen muss, wird der Mann jetzt nach Ungarn abgeschoben. Seine Freundin muss noch rund drei Monate im Frauengefängnis Hindelbank bleiben. Man wolle in Ungarn einen Neuanfang machen und nichts mehr mit der Prostitution zu tun haben, sagte sie.
http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/region/RomaZuhaelterpaar-knoepfte-19Jaehriger--70000-Franken-ab/story/30003512
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