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Donnerstag, 13.10.2011:

Sex-Boxen statt Strassenstrich – funktioniert Zürichs Idee?

Im Kampf gegen den Strassenstrich am Zürcher Sihlquai will Zürich ab dem Frühling Drive-In-Boxen für schnellen Sex einrichten. Das Vorbild ist Deutschland, wo sogenannte Verrichtungsboxen bereits seit Jahren existieren.


Ein tristes Gelände mitten im Industrieviertel Kölns. Ab zwölf Uhr mittags stehen bei den Verrichtungsboxen die Prostituierten. Die meisten sind drogenabhängig und sozial verelendet. Schon tagsüber herrscht reger Verkehr, zumeist Mittelklassewagen, die auf das Gelände fahren.Nicole ist 31 und arbeitet seit sieben Jahren hier. Im Interview mit der «Rundschau» erzählt sie von den guten Erfahrungen mit Verrichtungsboxen: «Die Verrichtungsboxen bieten einem Sicherheit, man hat keine Zuschauer, wie etwa auf öffentlichen Parkplätzen.»Auf der sogenannten Anbahnungsstrasse können sich Freier und Prostituierte handelseinig werden. Die Preise sind tief, zwischen 10 und 40 Euro. In einer der acht Verrichtungsboxen kommt man im Auto zur Sache, ein Alarmknopf im Äussern der Box schützt die Frauen vor Gewalt und Übergriffen. Auch Nicole hat schon gewalttätige Übergriffe erlebt: «Er lag schon auf mir, ich kam nicht mehr raus. Da hat er den Gummi abgezogen, hat mich geschlagen und ich habe um Hilfe gerufen.» Der Mann wurde auf dem Platz verhaftet und Nicole zeigte ihn an.Strassenstrich existiert nach wie vorTrotz Verrichtungsboxen: Ein herkömmlicher Strassenstrich existiert immer noch in Köln. Im Süden, an der Brühler Landstrasse, stehen junge Frauen aus Südosteuropa – zumeist Roma aus Bulgarien und Rumänien. Fast immer kommen sie mit männlichen Familienmitgliedern, die als Zuhälter auftreten.Es sei wichtig, die Szenen zu trennen, betont die Leiterin des Sozialdienstes katholischer Frauen, die auf dem Gelände der Verrichtungsboxen Unterstützung anbietet: «Auf dem Boxen-Gelände haben Zuhälter und Dealer keinen Zutritt, das ist im Migrationsstrich nicht der Fall, dort sind die Männer im Hintergrund dabei.»Zürcher stimmen über Projekt abIn Dortmund hat man im Sommer die Verrichtungsboxen nach elf Jahren wieder abgerissen. Hier wurden die Szenen nicht getrennt. Mit der EU-Personenfreizügigkeit kamen zahllose Prostituierte aus Bulgarien und Rumänien mit ihren Familienclans und nahmen die nahestehenden Abbruchhäuser in Beschlag. Das führte zu einer untragbaren Situation mit Gewalt, Kriminalität und Belästigungen der Anwohner.In Zürich soll der gesamte Strassenstrich auf das Brachland an der Aargauerstrasse nahe der A1 verschoben werden, unabhängig vom Hintergrund der Prostituierten. SP-Stadtrat Martin Waser propagiert das Projekt und hofft auf Erfolg, trotz negativen Signalen aus Dortmund: «Wir werden sehr besorgt sein, dass unsere Regeln befolgt werden und werden keine Zuhälter auf dem Areal dulden.»Bis es in Zürich allerdings soweit ist, kann es dauern. Im März wird die Stadtbevölkerung wohl über das Projekt abstimmen, da die SVP Unterschriften für ein Referendum sammelt. Bereits haben auch Geschäftshäuser in der Nachbarschaft Einsprachen angekündigt.



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