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Samstag, 07.08.2010:
Strassenstrich: Im Ausland bewirken Bussen und Verbote nichts
Deutsche Städte stellen Prostituierten erfolgreich sogenannte Verrichtungsboxen zur Verfügung.
Der Strassenstrich am Sihlquai erhitzt die Gemüter. Statt nur Toiletten aufzustellen , fordern SVP-Politiker ein Verbot. Ein Blick ins Ausland zeigt, das repressive Mittel im Kampf gegen Auswüchse die Strassenprostitution nicht aus dem Weg schaffen. Deutsche Städte haben erfolgreich einen liberaleren Weg eingeschlagen.
Mailands Vizebürgermeister Riccardo De Corato versprach kurz nach dem Wahlsieg von Silvio Berlusconis Rechtsbündnis im Jahr 2008, rigoros gegen die Prostitution im Freien vorzugehen. Sexarbeiterinnen auf der Strasse und Freiern wurden Bussen von 500 Euro angedroht. Für einige Zeit verschwanden die Liebesdienerinnen von Mailands Hauptstrassen. Bereits ein Jahr später war alles wieder beim Alten: In den traditionellen Strichzonen verkehrten gleich viele oder noch mehr Prostituierte als früher. Die Bussen verfehlten ihre Wirkung, weil sie praktisch niemand bezahlte.
In Schweden ist Prostitution strafbar
Schweden hat 1999 den Verkauf von Sex zu einer Straftat erklärt. Der Erfolg des gesetzlichen Verbotes ist umstritten und hat einige (Ehe-)Paare auseinandergebracht: Die Sonderkommission Prostitution sendet den Freiern die Vorladung zum Verhör nämlich nach Hause. Während diese Männer eine Geldstrafe oder bis zu einem halben Jahr Gefängnis riskieren, kommen die Prostituierten straffrei davon. In Malmö und Göteborg ist die Strassenprostitution zwar zurückgegangen. Verschwunden ist sie allerdings nicht. Die Prostitution ist in den Untergrund abgewandert. Das Geschäft läuft über das Internet.
Anfang 2009 übernahm auch Norwegen das Freierverbot. Die Geldstrafen sind höher als im Nachbarland: Ein Norweger, der sich in seiner Heimat oder im Ausland mit einer Prostituierten einlässt, muss eine Busse von umgerechnet 1600 Franken bezahlen. Auch in Norwegen ist die Prostitution nicht verschwunden. Sie findet einfach in einem diskreteren Rahmen statt.
Abschreckende Slogans in Tschechien
Die Grafikerin Simona Kmonickova hat im tschechischen Chomutov auf eigene Initiative an der bekanntesten Prostitutionsmeile des Ortes, der Lipska-Strasse, Warnschilder aufgehängt. Auf denen sind Frauen in Minikleidern abgebildet. «Ich biete Syphilis, Gonorrhoe, Aids» steht auf den Schildern geschrieben. Die Stadt liess auch Überwachungskameras installieren und stellte die Bilder von Freiern ins Internet. Die Zahl der Prostituierten ist danach auf der Lipska-Strasse deutlich zurückgegangen, hat sich aber teilweise in Nebenstrassen verlagert.
Köln hat 1999 als erste deutsche Stadt garagenähnliche Boxen aufgestellt. Im Amtsdeutsch heissen sie Verrichtungsboxen. Essen und Dortmund sind dem Beispiel gefolgt. «Die Boxen auf einem ehemaligen Kirmes-Platz haben sich sehr bewährt. Der frühere Strassenstrich existiert nicht mehr», sagt Detlef Feige, Mediensprecher der Stadt Essen. Für die Frauen sei das Arbeiten in den Boxen wesentlich sicherer als auf der Strasse. Die Prostituierten in Essen bieten auf dem umzäunten Platz auch noch in Campingwagen ihre Dienste an. In Köln und Dortmund ist das Projekt bisher ebenfalls erfolgreich verlaufen.
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