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Freitag, 06.08.2010:

Türsteher vertreiben Dirnen

An der Grenze zwischen der Stadt und Zollikon schaffen viel weniger Frauen an als zu Beginn des Jahres.

Ein schnelles Nümmerchen zu schieben auf dem Weg von der Arbeit ins traute Heim. Diese Möglichkeit hat sich Zolliker Männern in den ersten Monaten des Jahres geboten. Doch damit ist es weitgehend vorbei, denn der Einsatz von privaten Sicherheitsleuten gegen den Strassenstrich an der Zürcher Stadtgrenze zu Zollikon zeigt Wirkung.

Seit kurzem können Janine und Marlene Meyerstein auf ihre speziellen Türsteher ennet der Seestrasse verzichten. Die zwei bis drei Prostituierten, die – vermutlich um dem Konkurrenzdruck am Sihlquai zu entkommen – Anfang Jahr vor ihrem Lokal angeschafft hatten, sind verschwunden. Die Meyersteins betreiben im oberen Stock der Autop-Autowaschanlage im Tiefenbrunnen eine Lounge.

Nicht ganz verschwunden

«Das Thema hat sich erledigt», sagt Vater Beat Meyerstein, der Besitzer der «Stützliwösch»-Anlagen. Man sei aber jederzeit bereit, die Präsenz der Sicherheitskräfte wieder zu erhöhen.

Auch die Stadtpolizei (Stapo) Zürich beobachtet einen Rückgang der Strassenprostitution im Gebiet. Ganz verschwunden sei diese aber nicht, sagt Sprecher Marco Bisa. Seine Kollegen träfen unregelmässig Sexarbeiterinnen an, «alle paar Tage». Marco Cortesi, Chef des Informationsdienstes der Stapo, sagte in einem Interview mit dem TA Anfang Mai: «Ein privater Sicherheitsmann kann den Strassenstrich im Seefeld nicht eindämmen.» Er attestierte diesem höchstens eine gewisse abschreckende Wirkung für Freier.

Seefeld weniger lukrativ als Sihlquai?

Genau dies beabsichtigten die Meyersteins. «Wenn einer etwas tut, bei dem er ein schlechtes Gewissen hat, dann lässt er sich nur ungern von einem Uniformierten dabei beobachten», sagt Meyerstein, «und dann spielt der Markt: keine Kunden, keine Prostituierte.» Polizeisprecher Bisa kann nicht bestätigen, dass die Sicherheitsleute die Prostitution vermindert haben. Es könne hingegen sein, dass das Seefeld für das Sexgewerbe eben doch nicht so lukrativ sei wie das Sihlquai, sagt er.

Die Sicherheitsleute hatten Meyersteins zusammen mit Gewerbetreibenden aus dem Seefeld engagiert, darunter der Immobilieninvestor Urs Ledermann. Man befürchtete eine Ausdehnung des Strichs wie in den Achtzigerjahren. Alteingesessene können sich gut erinnern, wie damals die Dufourstrasse unter dem «Mädchenstrich» von jungen, drogensüchtigen Prostituierten litt. An die 10 000 Leute seien aus dem Quartier regelrecht geflüchtet, sagt Ledermann. Er setzt im äusseren Seefeld vereinzelt weiter auf die Präsenz von Uniformierten. Obwohl er sehe, dass sich die Lage beruhigt hat. «Sicher ist sicher.»

Zollikon unberührt

Die Behörden von Zollikon hatten wegen des Treibens der Liebesdienerinnen die Patrouillentätigkeit der Gemeindepolizei an der Grenze zur Stadt vorübergehend verstärkt. Heute sei die Strassenprostitution dort aber kein Thema mehr, sagt Gemeindeschreiberin Regula Bach auf Anfrage. Die leichten Mädchen sind wegen des Drucks der privaten Sicherheitsleute im Seefeld denn auch nicht auf Zolliker Boden ausgewichen.



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