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Donnerstag, 15.04.2010:

Zuhälterinnen treiben Frauen auf die Strasse

Mit den Roma-Prostituierten hält die Zuhälterei wieder Einzug in Zürich. Doch nicht nur Männer schicken Frauen auf die Strasse. Auch Zuhälterinnen sind am Werk – und gehen genauso hart vor.

Sie arbeiten bis zur kompletten Erschöpfung, erfüllen den Freiern auch ausgefallene Wünsche und bieten Sex ohne Gummi an. Die Roma-Prostituierten am Zürcher Sihlquai und im Langstrassenquartier schaffen unter extremen Bedingungen an. Und sie stehen unter permanenter Kontrolle durch ihre Zuhälter.

Es sind aber nicht nur Männer, die ihre Prostituierten antreiben. Auch Frauen übernehmen die Rolle der Zuhälterin. «Am Sihlquai habe ich schon beobachtet, wie diese Frauen das Geld bei den Prostituierten eingesammelt und es dann den wartenden Männern – den Zuhälterin oder Clanchefs – in die Autos gebracht haben», schildert Rolf Vieli vom städtischen Projekt Langstrasse PLUS die Situation. «Die Frauen, die in der Hierarchie der Romaclans aufsteigen, sprechen im Gegensatz zu den meisten anderen einigermassen gut Deutsch», so Vieli.

«Frauen wenden andere, perfide Formen der Gewalt an»

Ähnliche Beobachtungen macht auch Lea Bösiger von Isla Victoria, der Beratungsstelle für Sexworkerinnen. «Die Frauen kommen in die Schweiz und arbeiten hier während 90 Tagen als Prostituierte. Dann müssen sie normalerweise das Land wieder verlassen. Später kommen sie wieder zurück und weil sie nun die Arbeitsumstände hier in der Schweiz kennen, steigen sie in der Hierarchie auf.» Diese Frauen weisen laut Bösiger durchaus Züge auf, die man der Zuhälterei zuordnen kann.

Die Stadtpolizei Zürich bestätigt, dass mit den Romaclans auch Zuhälterinnen im Milieu aufgetaucht sind. «In den hierarchischen Stufen sind sie aber noch immer unter den Männern angesiedelt», sagt Mediensprecher Marco Bisa gegenüber Tagesanzeiger.ch. Die Zuhälterinnen würden innerhalb der Clans als Bindeglied dienen. «Die Abhängigkeit zwischen diesen Frauen und den Prostituierten liegt allerdings mehr auf der psychologischen Ebene als auf der finanziellen», so Bisa.

Ein Umstand, den auch Lea Bösiger kennt. «Die Zuhälterinnen werden selten handgreiflich, sondern wenden andere, perfide Formen der Gewalt an. Sie drängen die Frauen durch psychischen Druck in eine Abhängigkeit.» Das sei meist nicht weniger brutal als das Vorgehen der Männer, findet Bösiger.

Verwandtschaften begünstigen den Aufstieg

Wie viele Zuhälterinnen effektiv in Zürich arbeiten, lässt sich nicht sagen. Auch über ihre persönlichen Hintergründe ist wenig bekannt. Es gibt Vermutungen, dass verwandtschaftliche Verhältnisse den Aufstieg in den Clans begünstigen. Rolf Vieli sieht zudem vor allem jüngere Frauen, die als Zuhälterinnen fungieren. «Allerdings ist es bei den Roma-Prostituierten schwer abzuschätzen, wie alt sie sind. Wer extrem hart anschaffen muss, sieht nach einer gewissen Zeit auch katastrophal aus.»

Sicher ist, dass die Zürcher Staatsanwaltschaft bereits gegen eine Frau – eine Roma aus Ungarn – Anklage wegen Menschenhandels und Förderung der Prostitution erhoben hat. Sie arbeitete ursprünglich als Prostituierte und ist dann in den Rang einer «Vorarbeiterin» aufgestiegen. Mitte 2010 wird sie sich voraussichtlich vor Gericht verantworten müssen. Ihr droht eine mehrjährige Freiheitsstrafe.



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